Im neuesten Versuch des Bitcooler Cooling Labs haben wir untersucht, ob und wie sich ein leistungsstarker CPU-Kühler aus dem PC-Bereich – konkret der Thermalright AXP120-X67 – sinnvoll auf dem Bitaxe Gamma 601 integrieren lässt. Ziel war es, neue Wege der ASIC-Kühlung auszuloten, um die Effizienz und Hashrate durch gezielte Temperaturkontrolle zu maximieren.
VERSUCHSAUFBAU
Für diesen Test wurde der AXP120-X67 – ein flacher Top-Blow-Kühler mit sechs Heatpipes – mit einem 120 mm Lüfter auf einem Bitaxe Gamma 601 montiert. Das war mechanisch eine Herausforderung: Der Kühler ist für gängige PC-Sockel konzipiert, nicht für kleine Mining-Boards. Die Lösung war eine speziell entwickelte Halterung, die eine exakte Positionierung auf der Platine erlaubt und gleichzeitig die nötige Stabilität gewährleistet. Diese modulare Montagebasis ist nun unter dem Namen FrostFrame Kit im Bitcooler-Shop erhältlich.
Ziel war es, herauszufinden, ob ein Kühler dieser Bauart nicht nur mechanisch, sondern auch thermisch sinnvoll in einem Mining-Szenario funktioniert – mit dem übergeordneten Ziel, durch niedrigere Temperaturen mehr Spielraum für effizientes Overclocking zu schaffen.
Hinweis zur Kompatibilität:
Der AXP120-Kühler wird serienmäßig mit einem leistungsstarken 120 mm 12 V PWM-Lüfter von Thermalright ausgeliefert. Dieser kann über das beiliegende Y-Kabel direkt mit dem Bitaxe verbunden werden und läuft auch bei 5 V zuverlässig – allerdings mit reduzierter Drehzahl.
Für alle, die noch leiser oder gezielter kühlen möchten, bietet sich alternativ der Einsatz eines 5 V PWM-Lüfters wie dem Noctua NF-F12 5V PWM (z. B. über Amazon erhältlich) an.
Beide Varianten sind voll kompatibel – die Wahl hängt von deinem gewünschten Kühlprofil und Geräuschlevel ab.
Verwendete Kühlkomponenten
Für den Test kam der Thermalright AXP120-X67 zum Einsatz – ein ultraflacher CPU-Kühler aus dem PC-Bereich, der dank seiner Bauhöhe und Kühlleistung besonders interessant für Bitaxe-Mods ist.
Falls du selbst testen möchtest, findest du hier beide getesteten Varianten:
MESSERGEBNISSE IM VERGLEICH
Der Bitaxe wurde unter identischen Testbedingungen betrieben, jeweils bei 100 % Lüftergeschwindigkeit und stabiler Raumtemperatur. Hier die Gegenüberstellung zum bisherigen Setup mit dem bewährten Low-Profile Plus Kühler:
| Setup | Leistung | ASIC Temp. | VR Temp. |
|---|---|---|---|
| Low-Profile Plus | 36,5 W | 58,6 °C | 62 °C |
| AXP120-X67 + FrostFrame | 33,3 W | 44,5 °C | 59 °C |
Die Daten sprechen für sich: Der Stromverbrauch sinkt signifikant, und auch die Temperatur des ASIC reduziert sich drastisch. Diese Reduktion um mehr als 14 °C zeigt, wie effizient der AXP120-X67 mit großflächiger Kühlbasis und Heatpipes die Wärme vom ASIC abführt. Der VREG wird ebenfalls durch den 120mm Lüfter leicht entlastet.
ABER: WENIGER IST NICHT IMMER MEHR
Trotz dieser beeindruckenden Temperaturwerte fiel auf, dass die durchschnittliche Hashrate bei nur 1,9 TH/s lag – geringer als beim Low-Profile Plus Setup, das mit der selben Taktung mit 2,01 TH/s arbeitete. Das widerspricht zunächst der Erwartung: Mehr Kühlung = mehr Leistung.
Doch genau hier liegt der Schlüssel: Der BM1370-ASIC scheint bei zu niedriger Temperatur nicht optimal zu arbeiten. Frühere Tests – auch in Verbindung mit dem Noctua NF-A6 Lüfter und dem statischen Druck – haben bereits nahegelegt, dass 55–60 °C der thermische Sweetspot für maximale Hashrate sein könnte.
TEMPERATURSTEUERUNG: DER NEUE WEG
In einem Folgeversuch wurde der 120mm Lüfter des AXP120-X67 vollständig deaktiviert – der Kühlkörper arbeitete dabei passiv. Das Ergebnis war bemerkenswert:
-
Power: 39,9 W
-
ASIC Temp: 59 °C
-
VR Temp: 66 °C
-
Durchschnittliche Hashrate: 2,21 TH/s
Die Hashrate sprang deutlich über den ursprünglichen Wert, was unsere Theorie stützt: Nicht die kühlste, sondern die effizienteste Temperatur ist entscheidend.
Allerdings zeigte sich dabei ein neuer Engpass: Die VR-Temperatur stieg an – und damit auch der Stromverbrauch. Wobei die Temperatur des VREG mit 66 °C noch in einem akzeptablen Rahmen liegt. Das lässt sich auf den begrenzt statischen Druck des Noctua NF-A4x20 5V Rückseitenlüfters zurückführen, der mit 2,26 mmH₂O in anspruchsvollen Szenarien an seine Grenzen kommt.
DAS FROSTFRAME KIT ALS MECHANISCHE GRUNDLAGE
Um den AXP120 überhaupt auf dem Bitaxe sinnvoll einsetzen zu können, wurde eine neue, modular aufgebaute Halterung auf Basis der ArcticCore Halterung entwickelt – mit optimaler Bodenfreiheit, präziser Ausrichtung und stabiler Basis. Das Ergebnis ist das FROSTFRAME KIT, welches nun auch im Bitcooler-Shop verfügbar ist. Es richtet sich an alle, die mit alternativen Kühllösungen experimentieren möchten und dabei Wert auf eine mechanisch saubere, schwingungsfreie Montage legen.
Dabei geht es nicht um „größer, lauter, schneller“ – sondern um durchdachte Temperaturzonen, optimale Kontaktflächen und eine modulare Plattform für Kühlkörper, die bisher nicht auf dem Radar für Mining-Rigs standen.
Spannend ist dabei, dass die Temperatursteuerung in diesem Setup nicht nur durch die Kühlleistung selbst, sondern gezielt auch durch das Ausschalten des Lüfters reguliert wurde.
So konnte der ASIC auf eine Temperatur im optimalen Leistungsbereich zwischen 51 - 59 °C gebracht werden – ganz ohne aktive Lüfterunterstützung.
Ergebnisse in längerem Testbetrieb:
FAZIT
Der Einsatz eines AXP120 Kühlers auf dem Bitaxe zeigt eindrucksvoll, wie viel Potenzial in durchdachter Kühltechnik steckt. In Kombination mit dem FrostFrame Kit wird aus einem klassischen PC-Kühler eine effiziente ASIC-Kühlplattform – mit niedrigerem Stromverbrauch und gezielter Temperaturführung.
Gleichzeitig beweist der Test, dass zu viel Kühlung nicht automatisch mehr Leistung bedeutet. Wer maximale Hashrate will, muss seine Kühlstrategie differenziert denken: Nicht unterkühlen, sondern temperaturgenau treffen.
AUSBLICK
Der nächste Schritt liegt klar auf der Hand: Eine gezielte Optimierung der VR-Kühlung durch Lüfter mit höherem statischem Druck. Mit einem 12 V-Lüfter (z. B. 26,5 mmH₂O) auf der Rückseite könnte sich der Sweetspot dauerhaft stabilisieren – und der Bitaxe effizienter denn je arbeiten.
Stay cool & keep hashing!
HINWEIS
Die in diesem Beitrag vorgestellten Modifikationen und Overclocking-Maßnahmen erfolgen auf eigene Verantwortung. Jede*r Anwender*in ist selbst für die korrekte Konfiguration, Kühlung und Betriebssicherheit seines Bitaxe-Systems verantwortlich. Durch unsachgemäße Einstellungen oder Eingriffe können Schäden am Gerät oder an angeschlossener Hardware entstehen. Wir übernehmen keinerlei Haftung für Schäden, Fehlfunktionen oder Folgeschäden, die durch die Anwendung der beschriebenen Maßnahmen entstehen.
Die hier gezeigten Messwerte und Temperaturverbesserungen können je nach individueller Konfiguration variieren. Faktoren wie Raumtemperatur, Luftzirkulation, Lüftertyp und das allgemeine Setup beeinflussen das Ergebnis maßgeblich. Zudem weist jeder ASIC-Chip leicht unterschiedliche thermische Eigenschaften auf, weshalb eine individuelle Anpassung und Feineinstellung stets empfohlen wird.